Pressemitteilung des DSV:

Fairer Markt für Schrauben

Presseinfo Nr. 02-2021


Fairer Markt für Schrauben    

Hagen – Juni 2021. Die europäische Schraubenindustrie ist eine innovative stahlverarbeitende Industrie, die von vielen erst dann wahrgenommen oder wertgeschätzt wird, wenn Dinge auf einmal nicht mehr so wie üblich funktionieren.
In den letzten Monaten hat sich eine solche Situation ergeben, da die Branche parallel mit zwei voneinander unabhängigen Themenkomplexen konfrontiert ist. Die für die Herstellung von Schrauben aus Eisen und Stahl üblicherweise eingesetzten Rohmaterialien sind im Preis extrem angestiegen, und ein EU-Verfahren zu Wiedereinführung von Anti-Dumpingzöllen auf die Einfuhr bestimmter Schrauben und Scheiben aus Eisen und Stahl aus der VR China steht zur Entscheidung im Sinne eines fairen Wettbewerbs an.

Rohstoffknappheit ist derzeit ein aktuelles Problem, das neben vielen anderen Materialien und Stoffen, wie z.B. Bauholz oder bestimmte Kunststoffe, insbesondere auch den Stahlpreis weltweit in ungeahnte Höhen treibt. Christian Kocherscheidt, Vorsitzender des Deutschen Schraubenverbandes e.V., erklärt „Wenn dieser Trend anhält, sind spätestens im 3. Quartal 2021 einschneidende Maßnahmen in der Industrie zu erwarten“.

Bei einem Anteil der Stahlkosten zwischen 30 % und 50 % in der Ergebnisrechnung bedeutet z.B. eine 30%-ige Steigerung der Stahlkosten einen Gesamteffekt von 9 % – 15% -Punkten im Ergebnis. Eine solche, und angesichts des zu erwartenden dramatischen Anstiegs der Stahlpreise im dritten Quartal 2021 durchaus auch mögliche außergewöhnlich hohe Belastung kann die überwiegend mittelständisch geprägte Schraubenindustrie (gesamt ca. 3,4 Mrd. € Umsatz, rd. 20.000 Beschäftigte in Deutschland ohne Zulieferindustrie) nicht abfedern.

Neben der Volatilität der Stahlpreise, die seit der ersten drastischen Stahlpreiserhöhung im Jahr 2004 deutlich zugenommen hat und bis heute in einem langfristigen Ansteigen der Stahlpreise mündete, ist die Schraubenbranche seit Jahrzehnten existenzbedrohenden Dumpingpreisen aus Fernost ausgesetzt. Hier ist insbesondere die VR China zu nennen. Nach Prüfung und Klärung der Fakten hat die EU-Kommission in der Konsequenz in 2009 Strafzölle auf Einfuhren bestimmter Schrauben und Scheiben aus Eisen und Stahl aus der VR China von bis zu 85% festgelegt. Dieser hohe Wert verdeutlicht das Niveau des Preisdumpings. Ausschließlich aufgrund eines Verfahrensfehlers musste die EU-Kommission im Jahre 2016 diese Anti-Dumpingmaßnahme zurückziehen.

Seit Entfall der Strafzölle wird erneut eine drastische Zunahme der Importe der betreffenden Verbindungselemente aus der VR China beobachtet zu Preisen, die fernab eines fairen Wettbewerbs liegen.

Christian Kocherscheidt merkt zu den Erfahrungen in all den Jahren des Bestehens der Strafzölle von 2009 bis 2016 an, dass „interessanterweise in dieser Zeit weder eine Knappheit an Schrauben noch ein Abreißen der Lieferkette in der gesamten europäischen Industrie und dem Handel aufgrund fehlender Schrauben festzustellen war“. Dr. Stefan Beyer, Geschäftsführer des Deutschen Schraubenverbandes e.V. in Hagen, ergänzt mit Blick auf die deutsche und europäische Schraubenindustrie, dass „selbst bei gerechtfertigten Zöllen auf bestimmte Importe von Schrauben und Scheiben aus Eisen und Stahl entgegen aktuellen einschlägiger Pressemitteilungen des Schraubengroßhandels nachweislich immer ausreichende Fertigungskapazitäten zur Sicherstellung des nationalen Bedarfs vorhanden waren und auch heute vorhanden sind“.

Aktuelle Probleme wie z.B. die Sperrung des Suezkanals oder fehlende Frachtkapazitäten mögen derzeit schwerwiegend sein, sind jedoch temporäre Erscheinungen, die im täglichen Handelsgeschäft gelegentlich vorkommen und letztlich nur durch erhöhte EU-Binnenproduktion in den Griff zu bekommen sind (beispielhaft ist hier die Fertigung von Schutzmasken, Medizinprodukten etc. zu nennen, wo ein ähnliches Phänomen in der Coronakrise zu beobachten war). Dumping von Handelsware und in diesem Zusammenhang verhängte Strafzölle sind hingegen langfristige Phänomene, die mit der aktuell angespannten Versorgungslage bestimmter Güter und einem drohenden Abriss von Lieferketten nichts zu tun haben, wie dies derzeit von großen Handelsorganisationen als ein Argument zur Verhinderung erneuter Antidumpingmaßnahmen gegen China in der Presse angeführt wird.

Um sich angesichts einer seit 2016 erneut zunehmenden Marktverzerrung durch gedumpte Importe bestimmter Verbindungselemente aus China wieder dem Wettbewerb in einem Umfeld von fairen Marktpreisen stellen zu können, hat die europäische Vereinigung der Hersteller von Verbindungselementen (European Industrial Fasteners Institute - EIFI) im Jahr 2020 die Wiederaufnahme eines entsprechenden Anti-Dumpingverfahrens gegen China bei der EU-Kommission in Brüssel beantragt.

Es bleibt zu hoffen, dass einerseits die kurzfristig anstehende Entscheidung in Brüssel über eine Wiedereinführung von Anti-Dumpingzöllen der Schraubenbranche ein faires Agieren im Weltmarkt ermöglicht und andererseits auf der Rohmaterialseite angesichts des zu erwartenden dramatischen Anstiegs der Stahlpreise ab dem dritten Quartal 2021 eine für die Industrie und ihre Beschäftigten nachhaltige Verhandlungslösung gefunden wird.


Kurzprofil: Deutscher Schraubenverband e.V.
Der Deutsche Schraubenverband e.V. in Hagen vertritt die Interessen der deutschen Schrauben-, Muttern-, Scheiben- und Nietehersteller. Der Verband hat 53 ordentliche, überwiegend mittelständisch geprägte Produktionsunternehmen, die etwa 60% der gesamten deutschen Branche darstellen. Zusätzlich bilden 75 assoziierte Mitgliedsfirmen die gesamte Prozesskette im Rahmen der Herstellung mechanischer Verbindungselemente ab. Die Verbandsunternehmen erwirtschaften ein jährliches Umsatzvolumen von mehr als 2 Milliarden Euro und stellen Verbindungselemente aus Stahl mit einer Tonnage von rd. 500.000 her. Schrauben, Muttern, Scheiben und Niete werden in der Automobil- und Elektroindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Bauindustrie sowie in vielen allen anderen Bereichen der industrielen Fertigung von Wirtschaftsgütern eingesetzt. Deutschland ist in der Branche führend in Europa.

Kurzprofil: EIFI

EIFI ist der Zusammenschluss der europäischen Herstellerverbände von Verbindungselementen aus Eisen und Stahl.
www.eifi.org

Ansprechpartner:
Deutscher Schraubenverband e.V.
Geschäftsführer: Dr. Stefan Beyer, Hans Führlbeck

Goldene Pforte 1
58093 Hagen

Tel. +49-2331-9588-11
Mobil:
Dr. Beyer:      +49 170 766 89 13
Herr Führlbeck:    +49 172 695 66 66

www.schraubenverband.de

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